Bei ihrer Mitgliederversammlung beschäftigten sich die Mitglieder und Interessierten der FrauenUnion Leonberg Anfang Juli mit der Zukunft des Kreiskrankenhauses (KKH) Leonberg.

Eingeladen hierzu war der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, Dr. Jörg Noetzel. Dr. Noetzel gab erst einmal einen Gesamtüberblick, wer alles zum Klinikverbund gehört. Er verwies auch auf die Vorgaben des Sozialministeriums von Baden-Württemberg. So hat das Ministerium festgelegt, dass für das KKH Leonberg zukünftig mit Inbetriebnahme der Flugfeldklinik nur 162 Betten gefördert werden. Platz hat man, lt. Dr. Noetzel, für ca. 200 Betten. Wenn der Bedarf also da wäre, könnte man ggfs. (allerdings eigenfinanziert) mehr Betten anbieten. Auf Nachfrage, ob nicht durch den Anstieg der Einwohnerzahl rund um Leonberg die Bettenzahl nicht sowieso steigen müsste, erwiderte der Referent, dass die Bettenzahl damals in Abstimmung mit den Kostenträgern von Seiten des Ministeriums so festgelegt und Bestandteil des Medizinkonzeptes des gesamten Klinikverbundes wäre. Dr. Noetzel wies auch darauf hin, dass Krankenhäuser bei bestimmten Krankheitsbildern nur noch Leistungen erbringen dürften, wenn eine bestimmte Mindestmenge pro Jahr erfüllt wird. So sind das als ein Beispiel, das auch Leonberg betrifft, mindestens 50 Knie-Endoprothesen. Auch deswegen müsse man vorausschauend planen, wo zukünftig bestimmte Operationen stattfinden, damit auch in Zukunft in Kenntnis der Mindestmengen die Leistungserbringung erfolgen kann – dies seien auch Kriterien für die sogenannten Schwerpunktkliniken. Und: je mehr Operationen in einem Bereich, desto mehr Routine erhält man und dadurch verbessere sich die Qualität.

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Es stellt sich also die Frage: „Was und wo ist zukünftig Schwerpunktversorgung?“ Dr. Noetzel konnte den Anwesenden die Angst nehmen, dass die Unfallchirurgie in naher Zukunft nachts nicht mehr besetzt sei. Es würde rund um die Uhr gearbeitet werden. Auch Geburten wird es nach aktuellem Stand weiterhin in Leonberg geben. Hier gibt es sogar Anstrengungen durch verschiedene Maßnahmen, dies auszubauen. In Herrenberg gibt es zum Beispiel einen von Hebammen geführten Kreissaal. Dort würde die Geburt vermehrt durch die Hebammen geführt. Selbstverständlich stehen die Ärzte aber immer zur Verfügung, wenn „Not an der Frau oder am Kind“ ist. Könnte und sollte es eine solche Einrichtung auch in Leonberg geben?

Ausgebaut werden könnte auch der Bereich der Altersmedizin. Hier wurde von den Anwesenden vorgeschlagen, eine geriatrische Reha anzubieten. Dr. Noetzel teilte mit, dass es hier schon Überlegungen in alle Richtungen gäbe. Die Frage des Betreibers sei hier zu klären. Solche und andere Zusatzangebote könnten das KKH Leonberg stärken. In diesem Zusammenhang bedankte sich Dr. Noetzel für den Antrag der CDU-Fraktion zur Stärkung des KKH Leonberg. Denkbar wäre in einem Campus oder Gesundheitszentrum oder auch einem LeoMed - als Eigenname, eine Physiotherapie, eine Dialysepraxis. Ein onkologisches Zentrum, wie von OB Kaufmann ins Gespräch gebracht, sieht Dr. Noetzel als nicht umsetzbar an, da die Schwerpunkte im KKH Leonberg so nicht abgebildet sind. Ein onkologischer Schwerpunkt für den Landkreis Böblingen unter Beteiligung von Leonberg sei aber grundsätzlich denkbar.

Wichtig war dem Referenten darauf hinzuweisen, dass die einzelnen Standorte nicht immer wieder gegeneinander aufgerechnet würden, sondern es geht um das große Ganze, den Klinikverbund. Und da hilft man sich gegenseitig. Und: „Negativschlagzeilen helfen dem Leonberger Krankenhaus nicht.“ Positivmeldungen ziehen Patienten an. Negativmeldungen verunsichern die Patienten und treiben sie in andere Kliniken nach Stuttgart oder Ludwigsburg. Die Anwesenden diskutierten mit Dr. Noetzel auch darüber, dass die niedergelassenen Ärzte immer wieder Kliniken außerhalb des Klinikverbundes empfehlen. Auch hier müsse man im direkten Dialog mit den Ärzten klären, warum nicht die Klinik vor der Haustüre bevorzugt wird. Das Krankenhaus kann nur bestehen, wenn dies stark frequentiert und positiv wahrgenommen wird. Ein Zuhörer äußerte sich aus eigener Erfahrung sehr anerkennend und bedankte sich bei Dr. Noetzel für die schnelle Hilfe. Kritisch wurde von einigen Interessierten das Thema Pflege angesprochen. Hier sei zu wenig Personal auf den Stationen, der bürokratische Aufwand würde viel Zeit fressen, Patienten die durch Demenz oder andere Krankheiten eingeschränkt seien, würden zu kurz kommen. Dr. Noetzel bestätigte, dass in der Vergangenheit deutschlandweit im Pflegebereich zu stark eingespart worden sei. Hier würde nun im Klinikverbund wieder im 7-stelligen Bereich deutlich investiert werden. Außerdem sei für den Pflegebereich in den Krankenhäusern mittlerweile von Seiten des Ministeriums eine separate Vergütung in den nächsten Jahren vorgesehen, so dass sich zumindest die Finanzierung der Pflegestellen in den nächsten Jahren hoffentlich etwas entspannen würde. Allerdings wäre damit das Problem noch nicht gelöst, wie man überhaupt Personal auf dem Arbeitsmarkt gewinnen könne. Der Markt sei leergefegt und das Berufsbild müsse insgesamt wieder attraktiver werden. Eine Zuhörerin bestätigte, dass der Pflegeberuf für viele derzeit unattraktiv wirke, sei es nun durch die Arbeitszeiten oder die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit. Hier müsse mehr positiv geworben werden und Anreize geschaffen werden.

Viele weitere Punkte wurden angesprochen wie die Optimierung des ÖPNV, die Idee eines Campus in Calw, der Hubschrauberstandort …..

Ein interessanter Abend, der mit dem Jahresbericht der Vorsitzenden, Elke Staubach, endete. Viele Aktivitäten konnten hier aufgeführt werden, wie die Begehung im Dunkeln im Ezachgebiet, eine Veranstaltung zum Thema Zivilcourage gemeinsam mit der Agendagruppe „Frauen für Gleichberechtigung, das traditionelle Sommerprogramm, eine Veranstaltung zum Thema „Impfen“, die Teilnahme am Pferdemarkt und und...

Elke Staubach

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